Die Natur Rügens kennen lernen

Schöne, ausgedehnte Sandstrände mit sanften Dünen, aktive, wilde Steilküsten, große, sowohl dunkle als auch lichte, alte und jüngere Laub- und Nadelwälder, romantische Heidelandschaften mit Ginster und Wacholder, Moore mit ihrer angepassten Tier- und Pflanzenwelt, Hügel mit kleinstrukturierten Trocken- und Magerrasen, Senken mit Feucht- und Salzwiesen - all das findet man an der Ostsee auf der größten Insel Deutschlands, Rügen!
Aber auch das ist Rügen: kleine idyllische Fischerdörfer mit Reet gedeckten Hütten und dem einen oder anderen traditionellen Dreiseitenhaus oder originalen Niederdeutschen Hallenhaus, geheimnisumwitterte Orte mit Hünengräbern umgeben von „uralten“ Eichen, beliebte Ostseebäder mit oft strahlend-weißer Bäderarchitektur und geschichtsträchtige Orte mit erhaltenen Zeugnissen ihrer Vergangenheit.
Zum Teil über Deutschland hinaus bekannte und überaus beliebte Anziehungspunkte wie die Schmalspurbahn "Rasender Roland", der Nationalpark "Jasmund" mit den Kreidefelsen, das Nordkap Arkona oder die Deutsche Alleenstraße tun ihr Übriges.

Wer sich besonders für Natur interessiert, ist im Biosphärenreservat Südost Rügen gut aufgehoben. Hier gibt es ganz besonders naturlandschaftlich schöne Orte zu entdecken.

Beeindruckende Kulturlandschaft und großartige Ausblicke eröffnen sich einem zum Beispiel auf der Landzunge „Reddevitzer Höft“. Diese Stauchendmoräne, zum Teil auch Grundmoräne, bildet einen Teil der Halbinsel „Reddevitz“ und gehört zum Naturschutzgebiet Mönchgut. Schon der Weg allein, der sich über sanfte Hügel windet und immer wieder die überwältigenden Ausblicke auf die abwechslungsreiche Landschaft und die umgebenden Ostseegewässer „Having“ und „Hagensche Wiek“ offenbart, ist ein Erlebnis für sich. Die Natur trägt ihren Teil dazu bei: auf klein strukturierten Trockenmagerrasen, unterbrochen von einzelnen Gehölzen wie verkrüppelte alte Kiefern oder urige, bejahrte Sträucher, fliegen spezialisierte Insekten zum Beispiel Widderchen, Wildbienen, Schachbrett und andere Falter. Angepasste Pflanzen wie Thymian, Kleines Habichtskraut, Hornklee und Dost blühen fröhlich-bunt durcheinander… Auch die eine oder andere althergebrachte Obstbaumart wie die Wärme liebende Elsbeere (Sorbus forminalis) findet man hier auf dem Reddevitzer Höft.
Des Weiteren macht der Blick vom Aussichtspunkt an der Spitze der Landzunge auf die Having, den Rügischen Bodden und die Insel Vilm den Weg lohnenswert. Die Weite, der sehnsuchtsvoll klingende Schrei der Möwen und der Wind, der einem um die Nase weht, vermitteln ein Gefühl von Freiheit. An diesem aktiven Kliff kann man deutlich an den Abbruchkanten die Pfluglinie erkennen, denn die Landzunge wird teilweise landwirtschaftlich genutzt. Aufgrund der Nutzung zählt diese Fläche zu der Schutzzone II bzw. Pflegezone des Biosphärenreservats Südost Rügen.
Und auch der kulturelle Aspekt kommt auf dem Reddevitzer Höft nicht zu kurz. Ein restaurierter originaler Dreiseitenhof, dessen Hof und Vorgarten liebevoll gestaltet und bepflanzt wurden, lässt jedes Romantikerherz höher schlagen.

Ein weiteres Beispiel für die naturlandschaftliche Schönheit des Biosphärenreservats ist die hügelige, teils bewaldete Umgebung Seedorfs an der Having- Bucht. Für Naturliebhaber wird es zum großartigen und unvergesslichen Erlebnis, auf kleinen Pfaden, naturnahen Wegen oder Holzstegen durch die abwechslungsreichen und klein strukturierten Lebensräume mit artenreicher Flora und Fauna zu wandeln.
Ausgeprägte Schilfzonen und anschließende Feuchtwiesen bieten den Wasservögeln oder auch Schlangen wie Ringelnatter und Kreuzotter ein Zuhause.
Der Wald wirkt beinahe märchenhaft verzaubert – mit nur wenig Fantasie kann man sich leicht vorstellen, wie sich hinter den sehr alten ausladenden und knorrigen Bäumen (hauptsächlich Eichen) und in ihren vielen Baumhöhlen Fabelwesen verstecken, die uns verträumte Wanderer beobachten. Wenn man sich hier mit offenen Augen und Ohren vorwärts bewegt, gibt es eine Menge Lebewesen wahrzunehmen: der Ruf des Pirols, eine Blindschleiche, die einige sich durch die Baumkronen schummelnde Sonnenstrahlen zum Aufwärmen nutzt, verschiedene Moose und Pilze oder eine ins Loch stürzende Maus sind nur wenige Beispiele.
Die Wiesen – ob nun feucht oder trocken – vibrieren nur so vor lauter Insekten, und auch die unterschiedlichen Blütenfarben und –formen lassen das Grünland sehr lebendig erscheinen und laden zum Verweilen ein. Besonders die Trockenrasen zeigen sich mit selteneren gut angepassten Pflanzen: goldgelb blühender Scharfer Mauerpfeffer, Thymian oder Sandstrohblume wachsen auf diesem Standort. Auch fühlen sich die kleinen Waldeidechsen, das am nördlichsten in Europa verbreitete Reptil, wohl hier.
Kurz und gut – eine Wanderung durch diese hügelig-malerische Landschaft lohnt sich, wenn man für die Natur mit all’ ihren Überraschungen und ihrer Schönheit offen ist.

In Göhren, dem südlichsten Ostseebad auf der Mönchgut-Halbinsel, gibt es interessante Angebote zum Kennenlernen der Region Die AVR in Göhren (Vermietung von Ferienwohnungen und Hotelzimmer auf der Insel) rief im Jahre 2005 das in Deutschland bisher einmalige Projekt „UrlaubsRanger“ ins Leben. Somit entstand ein vielfältiges Programm zur Unterhaltung der Gäste in Göhren, die sich für die Natur begeistern und sich vielleicht sogar aktiv für den Naturschutz der Insel einsetzen wollen. Die Idee des Projektes bestand darin, Tourismus mit Naturschutz zu verbinden. Touristen können nun selbst in die Rolle eines „Rangers“ schlüpfen und bei Patrouillen an Land, Küste, auf See und auch in der Nacht unter fachkundiger Anleitung Naturschutz betreiben, denn die Daten der Beobachtungen und Zählungen werden den Kooperationspartnern NABU und Amt des Biosphärenreservats Südost Rügen zugetragen. So können sie eine Menge über Fledermäuse, die verschiedenen, in Göhren in großer Zahl brütende Schwalben oder die scheuen Reptilien wie Waldeidechse und Ringelnatter erfahren. Speziell während der Radtouren besteht auch immer wieder die Möglichkeit, die schönen, teils oben beschriebenen Regionen des Biosphärenreservats kennen zu lernen.


Geschrieben von Veronika Bellen ( verob [at] gmx.net )

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