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Frauenschicksal am Hof
 

Amalie von Sachsen - ein Frauenschicksal

Auf einem Stadtrundgang in Dresden glaubt man beim Blick auf den Fürstenzug gleichsam das gesamte Panorama der sächsischen Geschichte vor sich zu haben. Doch stellt er einzig die Herrscher als die treibenden Kräfte der Geschichte in den Vordergrund.
Sucht man nach "starken Frauen" am sächsischen Königshof und wollte man damit einen "Kurfürstinnenzug" zusammenstellen, so würde man sicher nicht auf die 100m Länge des Fürstenzugs kommen. Man sollte jetzt nicht meinen, daß die sächsischen Kurfürsten besonders begabt zur Politik, zum Militär oder einfach zur Verwaltung ihres Landes gewesen seien. Politik haben häufig genug die Kammerherren, die Hofpagen und die Minister gemacht. Den Frauen waren kaum Gestaltungsspielräume gegeben, die über die reine Produktion des Thronfolgers hinausgingen. Das Schicksal vieler Ehefrauen am sächsischen Hof war von Monotonie und Zwang geprägt.
Stellvertretend soll hier auf das Schicksaal einer Fürstin des ausgehenden achtzehnten Jahrhunderts aufmerksam gemacht werden.
Als die bayerische Prinzessin Amalie als zukünftige Ehefrau des sächsischen Kurfürsten nach Dresden kam, war ihre Begleitung nach der Sitte der Höfe zurückgeschickt worden. Die Prinzessin sah sich auf sich alleine gestellt und mußte ein gänzlich neues Beziehungsnetzwerk am sächsischen Hof aufbauen. Zu ihrem Ehemann, dem sächsischen Kurfürsten, konnte sie keine vertrauensvolle Beziehung aufbauen. Der sächsische Hof war gänzlich dem steifen spanisch-österreichischen Hofzeremoniell verhaftet, das keine private Lebensäußerung in der Öffentlichkeit zuließ. Zwei ihr beigegebene Kammerfräulein hatten einzig die Aufgabe jede ihrer Bewegungen der Oberhofmeisterin weiterzumelden. Ansonsten waren ihr nur kurze Unterhaltungen mit den sonstigen Damen des Hofes oder der Stadt gestattet. Jeder Satz, den sie äußerte, wurde gleichsam in seiner Länge nach der Bedeutung des Gegenübers bemessen.
Amalie war in Zweibrücken einen freien, am Militärischen angelehnten Ton gewohnt gewesen. Der sächsische Hof, an dem man Erheiterung zum Dienst und zur Pflicht erklärte, mußte ihr fremd und geradezu grotesk erscheinen.
Infolge dieses eintönigen Lebens entwickelten sich bei Ihr allerlei Krankheiten, die ganz die Anzeichen psychosomatischer Leiden aufwiesen. Wollte sie sich vom Hofleben zurückziehen, dann blieb ihr nichts anderes übrig als Krankheiten eingebildeter und/oder reeller Art zu entwickeln. Allerdings nahm ihr Ehemann kaum Rücksicht auf ihren körperlichen Zustand. So krank sie sich auch fühlte, mußte sie ihn doch auf Spazierfahrten und auf der Jagd sowie auf Promenaden zu Fuß begleiten. Standen Ballspiel oder andere "Belustigungen" auf dem Programm, so mußte sie selbstverständlich auch an diesen teilnehmen. Da die täglichen Gebete und religiösen Handlungen einen hervorragenden Platz im Tagesablauf des Hofes einnahmen, so war sie auch bei diesen stets zu sehen. Dabei mußte sie zu allem noch die beste Miene machen und ihre Contenance bewahren, sonst handelte sie sich heftige Kritik von Seiten der Oberhofmeisterin ein.
Noch schlimmer erging es ihr aber, wenn sie sich am sächsischen Hof zu jugendlicher Lustigkeit hinreißen ließ. Zu den Hofbelustigungen gehörte das Ballonspiel in Pillnitz. Anläßlich eines solchen Spiels flog einmal ein Ballon dem danebenstehenden Offizier der Grenadiergarde an den Kopf und warf ihm die Bärenmütze herunter.
Die Kurfürstin sprang schnell herbei und setzte in scherzhafter Manier die Bärenfellmütze nicht dem Soldaten, sondern einem dabei stehenden Geheimrat auf den Kopf. Der hagere Mann hatte einen so schmalen Kopf, daß ihm die Mütze bis auf die Nase rutschte und seine Perücke sich verschob. Obwohl sicher viele der Zuschauer am liebsten laut losgelacht hätten, wagte dies keiner im Beisein des Hofes zu tun. Derartige Scherze machten es ihren Gegnern am Hof leicht beim Kurfürsten Mißtrauen gegen seine Ehefrau zu säen.
Da sie keinen Zugang zu den am Hof maßgeblichen Kreisen hatte, verspielte sie weiteres Vertrauen bei ihrem Mann, indem sie ihm Personen zur Beförderung oder für bestimmte Aufgaben empfahl, die ihr von inkompetenten Kammerleuten empfohlen worden waren.
Als 1782 ein Kind zur Welt kam und dieses ein Mädchen (Prinzessin Augusta) war, schwächte auch dies ihre Rolle erheblich. Da sie den Wunsch nach einem Thronfolger nicht zu verwirklichen vermochte, konzentrierte sich der Hof immer mehr auf den Bruder des Kurfürsten. Prinz Anton sollte durch eine geeignete Ehefrau für den Kindersegen sorgen, der die Herrschaft der Albertiner im Mannesstamm weiter ermöglichte.
Auf einem Stadtrundgang in Dresden begegnet man beiden Brüdern - Friedrich August und Anton - und man vermag heute kaum zu erahnen, welch bescheidene und untergeordnete Rolle deren Ehefrauen am Hof gespielt hatten.

 
 
 
 


Geschrieben von Michael Brey ( info [at] brey-kunstkultur.de )

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