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Das Erste glänzte gleich zweimal in einer Woche durch das Aufgreifen von Schicksalsthemen im Unterhaltungsprogramm. Auf mitfühlender, ja teilweise ergreifender Art und Weise wurden einmal eine bestimmte Krankheit sowie eine Behinderungsart mit ihren Eigenschaften und Verlauf dramaturgisch und schauspielerisch fabelhaft dargestellt. Damit konnte einmal mehr einem Massenpublikum aufgezeigt werden, dass es nicht nur Menschen auf der Sonnenseite des Lebens gibt, sondern einige Personen und deren Angehörige ein schweres Schicksal zu bewältigen haben.
Den Anfang machte der am Sonntag, den 05. Oktober 2008, ausgestrahlte Tatort "Der glückliche Tod" mit der Kommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts). In der Nebenhandlung dreht es sich um das neun Jahre alte Mädchen Julia, welches an der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose erkrankt ist. Sie hat chronische Lungenentzündung, leidet an Erstickungsanfällen und droht zu verhungern. Auch der ansonsten relativ abgebrühten Kommissarin lässt dies nicht kalt. Lena Odenthal ist gerührt von der Tapferkeit dieses Kindes, doch wie sie von der Mutter erfährt, steht es wirklich nicht gut um sie. Auf die Frage an die Mutter, wie sie das denn nur aushalte, antwortete sie „gar nicht“. Aus Verzweiflung als Mutter seinem Kind das schwere Leiden nicht lindern und ihm damit helfen zu können, versucht sie als einzige Möglichkeit am Ende ihrer eigenen Kräfte händeringend und energisch ein Sterbehilfe-Medikament zu besorgen. Doch sie kommt damit zu spät. Als die sie eintrifft, war Julia bereits unter dem Beisein ihres jüngeren Bruders verstorben. Zuvor öffnete er noch auf ihren Wunsch hin das Fenster im Kinderzimmer, so dass ihre Seele empor zu den Sternen am Himmel ziehen kann. Diese Schluss-Szene wird begleitet von still-sanften Halleluja-Gesängen.
Dem schloss sich gleich am darauf folgenden Mittwoch ein Rolli-Drama mit dem Titel "Einer bleibt sitzen" an. Dieses war im Gegensatz zu dem davor beschriebenen stimmungsmäßig mehr ausgeglichen, auf behutsame Weise zu gleichen Teilen komisch/humorvoll wie tragisch. Es ging hier um den jugendlichen Motocrossfahrer Michel. Nachdem er von seiner Freundin verlassen wurde und er sie zusammen mit einem seiner besten Kumpels sah, knallten bei ihm sämtliche Sicherungen durch. Er raste mit seinem Motorrad voller Rasche und Wut von der Rennstrecke weg über die Landstraßen. Wie es kommen musste, überkreuzte die Strecke ein glatter Fahrbahnbelag, auf dem er mit seinem Gefährt ausrutschte. Er prallte mit dem Rücken gegen einen Holzstapel und war von nun an Querschnittsgelähmt. In der Folge verlor er jegliche Lebensfreude und -mut und weigert sich, auf eine dringend angeratene Reha-Maßnahme zu gehen. Auch die Überredungsversuche seiner Kumpels änderten anfänglich nichts an seiner ablehnenden Haltung. Erst als seine besten Freunde sich bereit erklärten, mitzugehen und sich selber in den Rollstuhl zu setzen, willigte er schließlich ein. Auf einer idyllisch gelegenen Berghütte erlernten dort die Teilnehmer – außer den Kumpels allesamt Unfallopfer mit Querschnittslähmung – in der Form von täglichen Workshops, wie sie ihren Alltag in der neuen Situation meistern können. Eingebunden in lustigen und traurigen Geschehnissen, wird den nichtbehinderten Kumpels mittelbar bewusst, dass das permanente, mit verminderten körperlichen Fähigkeiten am Rollstuhl gebunden sein nicht immer leicht fällt, Trübsal aber auch nicht der Ausweg ist. So geben sie sich die größte Mühe und machen den Rest der Truppe Mut.
Die Leistung des offentlich-rechtlichen Senders mitsamt den beteiligten Schriftsteller, Regisseure und Schauspieler, diese beiden Sendungen so gelungen in das Unterhaltungsprogramm zur Primetime zu integrieren, verdient nach Ansicht des Autors dieses Artikels Lob, Anerkennung und den nächsten besonderen Medienpreis.
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Geschrieben von Jürgen Markard ( j.markard [at] web.de )
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