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Die deutsche Teekultur

Die deutsche Teekultur

Anders als in vielen europäischen Ländern wurde der Tee in Deutschland nicht mit offenen Armen empfangen, sondern eher skeptisch begutachtet. Die Skeptiker und Befürworter stritten sich, und der Tee wurde vielen Untersuchungen unterzogen, die mal positiv, mal negativ ausfielen.

Für den Tee sprach, dass er aus sagenhaften, fernen Ländern kam und ihm so etwas geheimnisvolles anhaftete. Doch in den Herkunftsländern wurde auch der Ursprung vieler obskurer Wundermittel, Aphrodisiaka und ähnlichem vermutet, was viele misstrauisch machte.

Die Chinesen hatten in unzähligen Schriften die positiven Eigenschaften des Tees gepriesen und dieser Überzeugung war auch der Leibarzt des Kurfürsten Friedrich Wilhelms von Brandenburg im 17. Jahrhundert. Er empfahl, bis zu 100 Tassen täglich zu trinken. So hat er viel zur Verbreitung und letztendlich zum guten Ruf des Tees beigetragen.

Der Teegenuss in Deutschland war zunächst dem Adel vorbehalten, genau so wie in den anderen europäischen Staaten auch. Das lag hauptsächlich daran, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein nur grüner Tee aus China importiert wurde und es bis zu acht Monaten dauern konnte , ehe eine Schiffsladung in Europa ankam. Somit war Tee ein seltener Luxusartikel, bis es den Engländern gelang, in ihren Kolonien Tee anzubauen. Das hatte einen Preisverfall zur Folge, wodurch sich nun auch mehr Menschen Tee leisten konnten.

Im 18. und frühen 19. Jahrhundert entdeckte vor allem das aufsteigende Bürgertum den Tee und er wurde in den Kunst- und Intellektuellenkreisen sehr beliebt, die ersten Teegesellschaften entstanden. Mit der Zeit wurde auch die Sitte des fünf-Uhr-Tees übernommen. Genau wie in England wurde diese Mahlzeit regelrecht zelebriert mit speziellen, wertvollen Teegedecken, feinem Gebäck und Sandwiches.

In den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts erfreute sich dann der Tanztee allgemeiner Beliebtheit. Doch trotz allem wurde der Tee in Deutschland nie zu einem Getränk der Massen, wie dies in anderen Ländern der Fall ist.



Geschrieben von Ansgar Offermanns ( sab [at] keepwebsimple.de )

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