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Der Drachen entwickelte sich vom Himmelsboten zum Sportgerät

Himmlische Boten aus China


Die Lenkdrachen sind heute ein beliebtes Hobby bei Erwachsenen, die - im Gegensatz zu Kindern - mehr Erfahrung und Geschick beim Steuern eines Drachens haben. Die Ursprünge dieser sportlichen Betätigung hatten nichts mit Freizeitbeschäftigung zu tun, sondern hatten religiöse Hintergründe.

Die Wiege des Lenkdrachens steht in Asien. Vermutlich gab es bereits im fünften vorchristlichen Jahrhundert die ersten Drachen auf diesem Kontinent. Hergestellt wurde das Fluggerät aus Seide, sodass es für die meisten Menschen unerschwinglich war. Von China aus erobert der Drachen weitere asiatische Länder wie zum Beispiel Japan und Indonesien. Obwohl sich die Menschen bestimmt auch an dem optischen Schauspiel erfreuten, war die Hauptaufgabe der Drachen weiterhin religiöser Natur - er sollte zwischen den Erdenbewohnern und den Gottheiten vermitteln.


Der Weg ins Abendland

In Europa war der Flugdrachen während dieser Epoche gänzlich unbekannt. Dies änderte sich erst mit der Intensivierung des Asienhandels, der auch dieses Fluggerät ins Abendland brachte. Der Religiöse Ursprung spielte nun keine Rolle mehr - der Drachen war vor allem ein Spielzeug für Kinder. Im 18. Jahrhundert hatte er sich diesen Platz erobert. Die Erwachsenen brauchten noch einige Zeit länger, um die spielerischen Möglichkeiten - aber auch den kommerziellen Nutzen - für sich zu entdecken.

Als einige Flugpioniere im 19. Jahrhundert den Traum vom Fliegen realisieren wollten, gab es auch erfolgreiche Experimente, Drachen als Personentransporter zu konstruieren. Diese Variante des Fliegens konnte sich seinerzeit allerdings gegenüber dem aufkommenden Motorflug nicht behaupten. Während der Weltkriege gewann dieses neuartige Luftverkehrsmittel einige Bedeutung für militärische Einsätze.


Moderne Zeiten

Die Entwicklung des Lenkdrachens, so wie wir ihn heute kennen, ich auch ein Kennzeichen des "Luxus" in einer modernen Freizeitgesellschaft: Dem gestressten Menschen von heute verschafft es Ausgleich und Entspannung, den Drachen hoch in die Lüfte steigen zu lassen und dabei den Alltag hinter sich zu lassen.

In den vergangenen Jahrzehnten wurden die Drachen technisch intensiv weiterentwickelt. Der Steuerungsmechanismus wurde verfeinert, immer mehr flugfähige Formen und Modelle wurden geschaffen. Der Kreativität der Drachenbauer sind hierbei kaum Grenzen gesetzt. Heute gibt es lenkbare Modelle mit einer, zwei oder vier Steuer- bzw. Bremsleinen. Manche Drachen benötigen eine kräftige Brise, um vom Boden abheben zu können, andere dagegen kommen bestens mit einem lauen Lüftchen aus. Verschiedene Konstruktionen haben Drachen geschaffen, die sehr komplizierte Manöver vollführen können und den Lenkdrachen zu einem Sportgerät gemacht haben.

Moderne Drachen bestehen im Gegensatz zu ihren asiatischen Vorfahren nicht mehr aus Seide, sondern aus profanem Papier und sind daher vergleichsweise günstig. Und sie bringen noch immer den Menschen dem Himmel näher.


Geschrieben von Jürgen Reschke ( info [at] tippss.de )

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