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Die deutsche Sportförderung in der Krise
Bereits im vorchristlichen Rom waren sich die Reichen und Mächtigen bewusst, wie sie des Volkes Bedürfnis nach Spektakel und Sensation befriedigen konnten und schufen die Gladiatorenkämpfe – das antike Äquivalent zum heutigen Leistungssport. Ebenso wie der Leistungssport waren Gladiatorenkämpfe ursprünglich rein privat finanziert. Erst während der nachchristlichen Ära des römischen Reiches machten die Kaiser die Kämpfe zum staatlich bezahlten Spektakel. Aber wie man heute weiß, begann da auch schon der Abstieg des antiken Weltreiches. Das Gleichnis vom Gladiatorenkampf ist zugegebenermaßen etwas sehr weit hergeholt, aber prinzipiell sieht sich die deutsche Sportförderung momentan ebenfalls mit Stimmen konfrontiert, die eine strukturelle Krise ausgemacht haben wollen, weil die finanzielle Förderung deutscher Sportler durch Steuergelder vermeintlich überhand nimmt und dabei langfristig ohne Substanz bleibt. Es geht um die Förderprogramme olympischer Sportarten, insbesondere aus dem Wintersport, die von Bundeswehr, Polizei oder Zoll betrieben werden und den Athleten eine Ausbildungs- bzw. Arbeitsstelle bieten mit weitreichenden Befreiungen zur Trainings- und Wettkampfvorbereitung. Die Kritik äußert sich dahingehend, dass Sportler zum einen nur unzureichend ausgebildet werden, um nach der Sportlerlaufbahn in den entsprechenden Berufen effizient Dienst zu tun. Zum anderen dient die staatliche Förderung bei einigen Athleten indirekt als lukrative Sponsorenvermittlung, so sie denn sportlich ausreichend erfolgreich und die Sportarten attraktiv genug sind. Da wäre zum Beispiel eine junge Biathletin, die in den letzten Jahren einen Senkrechtstart mit Weltmeister- und Weltcupsiegen hingelegt hat und dass in einer Sportart, die aus Quotensicht boomt. Sie wirbt für diverse Sponsoren, u.a. für einen namhaften Schuhversand und ist als Hobby nebenbei auch noch Zollhauptwachmeisterin. Eine Berliner Eisschnellläuferin mit langer, beeindruckender Karriere wirbt ebenfalls für jenen Schuhe Shop. In diesen beiden Sportarten mit hohem Anteil an Athleten im Förderprogramm des Bundes engagiert sich zudem noch eine ostdeutsche Direktbank. Und ein hessischer Heizkesselhersteller mit zwei Ess ist bei nahezu allen Wintersportveranstaltungen omnipräsent. Obgleich die Kritik an der praktischen Umsetzung der Förderprogramme im Ansatz durchaus ihre Berechtigung hat – die Idee des Staatssports kennt man aus alten Sowjetzeiten und wird heute außer in größerem Ausmaß als in Deutschland nur noch in altsozialistischen Staaten praktiziert, so muss man leider anerkennen, dass viele olympische Disziplinen bei Zuschauern, Medien und zwangsläufig auch bei Sponsoren ganzjährlich nicht die Aufmerksamkeit bekommen, die für eine konstante Präsenz in der Weltspitze notwendig ist.

Geschrieben von Helga Schmid ( vertbaudet.kindermode [at] gmail.com )

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