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Geschichte und Vorteile der Wolle

Würde man so tun, als ob eine neue Textilfaser entdeckt worden wäre, die giftfrei, hautverträglich oder besser hautfreundlich, elastisch, lärmdämmend, wärmeregulierend, feuchtigkeitsausgleichend, schmutz- und wasserabstoßend, schwer entflammbar, leicht zu reinigen und knitterfrei, wiederverwendbar und hundertprozentig abbaubar ist, gäbe es nur einen Kommentar: Genial.

Neu ist diese Textilfaser allerdings nicht. Das Schaf, als ein recht genügsamer Fleisch-, Milch- und Wolllieferant, ist eines der ältesten Haustiere des Menschen.

Seit dem 14. JH sitzt der Lord Chancellor, heute Lord Speaker, im englischen Oberhaus auf einem Woolsack. Ursprünglich war der Wollsack mit englischer Wolle gestopft. Wolle wird auch als Königsware bezeichnet, denn der Handel mit ihr hat das englische Königshaus reich gemacht.
In Spanien wurden Merinoschafe gezüchtet mit einer besonders feinen, weichen und elastischen Wolle. Das spanische Königshaus untersagte die Ausfuhr der Merinos bei Todesstrafe. Bis zum 18. JH konnte Spanien mit der sogenannten „spanischen Wolle“ weltweit Handel treiben.

Und heute?
Der größte Teil der weltweiten Wollproduktion kommt heute aus Südamerika, Neuseeland und Australien. Von industrieller Produktion ist die Rede und es werden auch Stimmen laut gegen Massentierhaltung und Tierquälerei (z.B. mulesing), die einzig und allein dem Ziel dient, eine noch feinere und weißere Wolle mit geringen Kosten zu erzielen.


Auch in Deutschland sieht man ab und zu noch eine Schafherde. Von den Schäfern hört man, dass die Schafe heute selten wegen ihrer Wolle gehalten werden, dass die Wollerträge kaum noch die Kosten der Schafschur decken. Schafwolle wird unter geackert, komposteiert und in Großbritannien hat man Schafe gezüchtet, die einmal im Jahr ihre Wolle abwerfen. Diese Wolle ist allerdings zur Weiterverarbeitung nicht zu gebrauchen.

Schafwolle ist inzwischen als „Nachwachsender Rohstoff“ anerkannt und es gibt zaghafte Projekte und Förderprogramme zur Erhaltung der gutmütigen, sozialen Tiere, die uns die einzigartige Textilfaser liefert. Sie muss nicht noch weißer werden. Naturbelassen, ohne chemische Behandlung, hat sie auf alle Fälle ihren Reiz. Und sie ist giftfrei, hautfreundlich, elastisch, wärmeregulierend…



Geschrieben von Jan Ebert ( jan [at] gehbunt.de )

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