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Schenkkreis

Schenkkreis

Florentine K. (alle Namen geändert) wurde vor einigen Monaten zu einer Veranstaltung in ein Münchner Hotel eingeladen. Ein Bekannter hatte ihr gesagt, wenn sie schnell zu viel Geld kommen wolle, dann solle sie unbedingt zu dem Treffen gehen. Bestimmt mehr als 100 Personen hörten in dem Luxushotel staunend dem Referenten zu. Der Referent putschte die Menge auf, aber es war keine Veranstaltung einer radikalen politischen Partei. Nein, vielmehr ging es um einen Schenkkreis, wobei er, der Referent, dieses Wort in seinem 90-minütigem Vortrag kein einziges Mal in den Mund nahm.

Unseriöses Schneeballsystem

Man solle 5000 Euro einzahlen, damit man berechtigt sei, seinerseits andere Menschen zu suchen, die ebenfalls 5000 Euro bezahlen. Es war faktisch wie ein Schneeballsystem, eine Pyramide. Der Mann in seinem Business-Anzug war rhetorisch geschickt, er schaffte es in kürzester Zeit, viele Personen in dem Raum zur Teilnahme an dem Schenkkreis-„Spiel“ zu überreden. Sogar die analytisch denkende Florentine K. war nach dem Vortrag schon sehr infiltriert, aber ihr logisches Denken, rettete sie. Denn es war klar, das von dem adrett gekleideten Mann vorgestellte System musste früher oder später scheitern, die Kette konnte mangels Bevölkerung nicht ewig funktionieren. Sie wusste, wer dabei mitspielt, wird am Ende der Verlier sein. Nur der Initiator des jeweiligen Schenkkreis, der Mann im ersten Rang, konnte dabei die Gewinne kassieren.

Anwalt holt Geld zurück

Am nächsten Tag sprach sie mit ihrem Bekannten, der sie zu dem Informationsabend in dem Nobelhotel eingeladen hatte. Dabei erfuhr sie von ihm, dass er schon eine Menge Geld verloren hatte. Einerseits hielt sie ihn für einen Riesendeppen, dass er sich überhaupt auf soetwas eingelassen hatte, andererseits wollte sie ihm helfen. Spontan rief sie ihren Freund Ingo L. an, den sie in einem Universitätsseminar kennengelernt hatte. Mittlerweile hatte er seine Zulassung als Rechtsanwalt. Ihr Freund Ingo gab ihr den Tipp, sie solle sich an einen Rechtsanwalt wenden, der sich genau auf dieses Thema spezialisiert hat. Also gab er ihr die Telefonnummer von einem versierten Schenkkreis-Rechtsanwalt, den sie dann sofort nach dem Gespräch mit Ingo anrief. Inzwischen hat der Bekannte, der sie ursprünglich zu dem Schenkkreis-Spiel anstiften wollte, sein Geld zurückbekommen. Denn der Rechtsanwalt konnte die Beschenkten aus dem Schenkkreis, an dem sich ihr Bekannter beteiligt hatte, schnell zur Rückzahlung des Geldes überzeugen, nachdem er auf ein Grundsatzurteil des Bundesgerichtshof aus dem Jahre 2005 aufmerksam machte.


Geschrieben von Christian Bergmann ( werbetext [at] gmx.de )

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