Unter einem Kunststoff wird heute ein Material verstanden, welches aus dem Rohstoff Erdöl hergestellt wird und somit organischem Ursprungs ist. Dabei wird die Eigenschaft makromolekularer Polymere genutzt, unter dem Einfluss von Wärme, Druck und Zusatzstoffen einem plastischen, verformbaren Werkstoff zu erhalten, der je nach Einsatzzweck mit variablen Eigenschaften ausgestattet werden kann.
Als Vorläufer der modernen, vollsynthetischen Kunststoffe gilt das Celluloid, welches aus Cellulose hergestellt wurde. Ihm folgten zu Beginn des 20.Jahrhunderts die Phenoplaste, deren wohl bekanntester Vertreter die noch heute produzierten Bakelite sind. Zusammen mit den Aminoplasten sind damit die wichtigsten Vertreter der Duroplaste genannt, die alle nach ihrer Aushärtung nicht mehr verformbar sind.
Die umfangreichere und vielfältigere Gruppe der Massenkunststoffe bilden die Thermoplaste, die weicher und verformbar sind. Letztlich runden die Elastomere - mit ihrem bekanntesten Vertreter, dem Reifen - die Palette der Kunststoffe ab. Als wesentliche Vorteile der Kunststoffe gegenüber anderen Werkstoffen, gelten der geringere Energieaufwand bei der Herstellung, ihre Wiederverwendbarkeit durch Recycling, ihre damit insgesamt kostengünstigere Herstellung und ihre zunehmend wichtige Rolle bei ihrer Anwendung in der Technik.
Aus den Vorteilen leiten sich auch die Haupt-Einsatzgebiete ab. Es dominiert die Bauindustrie, in der gute mechanische Eigenschaften, lange Haltbarkeit und gute Dämmeigenschaften gefragt sind. In der Elektro- und Elektronikindustrie kann einerseits auf die Isolationseigenschaften und andererseits auf die Leitfähigkeit unterschiedlicher Kunststoffe nicht mehr verzichtet werden. Und nicht zuletzt sind Kunststoffe in der Verpackungsindustrie unersetzlich geworden. Einer Vielzahl positiver Eigenschaften, wie geringes Gewicht und geringe Dichte, die Beständigkeit gegen Wasser, die leichte Formbarkeit und nicht zu oxidieren, stehen auch einige negative gegenüber. Dazu zählt ihre meist geringere Temperaturbeständigkeit, ihre Brennbarkeit, die geringe Kratzfestigkeit und das Problem der Beseitigung von Kunststoffabfällen und unbrauchbaren Produkten. Jüngste Forschungen zielen daher verstärkt auf biologisch abbaubare Kunststoffe hin. Eventuelle Gesundheitsgefahren gehen von der Polymerstruktur der Kunststoffe keine aus, lediglich der Zusatz bestimmter Additive kann zu Gefährdungen führen.
Die Fachwelt ist sich einig, dass die Anwendungsmöglichkeiten der Kunststoffe bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind und ihre Bedeutung weiter zunehmen wird. Wer eine praxisbezogene Übersicht über die Entwicklungsgeschichte und die Anwendung von Kunststoff erlangen möchte, der sollte dem Kunststoff-Museum in Düsseldorf einen Besuch abstatten. |
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Geschrieben von Erwin Huber ( erwinhuber [at] onlinehome.de )
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