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Über den traumhaften Ort Soller und seine Vorzüge
Sóller verfügt als einziger Ort auf Mallorca über eine eigene Straßenbahn. Sie verdankt ihre Existenz einem Subventionstrick. Weil die Eisenbahnstrecke von Sóller nach Palma mit 27 Kilometern für den Erhalt von Fördermitteln zu kurz war, verlängerte man 1917 die Strecke um die fehlenden notwendigen Kilometer durch Straßenbahnschienen bis nach Port de Sóller.

Wenn man heutzutage mit der uralten Straßenbahn vom Hafen kommend quietschend und kreischend die letzte Kurve an der Plaça durchfahren hat und am Bahnhof aussteigt, beginnt hier in Sóller die schönste Zeit des Tages. Unter den Platanen in der Abenddämmerung darf der Ort jetzt wieder ganz er selbst sein. Die Tagestouristen sind weg und ein kollektives Aufatmen macht sich breit. Im Café Sóller versuchen die Zugereisten möglichst einheimisch auszusehen. In den engen Gassen ist es still geworden und die Rinnsteine werden von einer Parade von Zimmerpflanzen gesäumt. Blickt man in die oft offen stehenden Eingangstüren, so sieht sehr häufig ältere Menschen in wuchtigen Sessel sitzen, die in den Fernsehen sehen oder die Zeitung lesen. Einstmals stand in diesen Entradas ein Webstuhl.
Um den Ort herum auf den Bergen wuchsen Maulbeerbäume für die Zucht von Seidenraupen. Später lernten die Großgrundbesitzer, dass sich mit Orangen mehr Geld machen ließ, als mit der mühsamen Seidenraupenzucht.

Der Heimvorteil gegenüber dem Festland beim Anbau der Orangen bestand in dem früher gelegenen Reife-Zeitpunkt. In dem durch die hohen Berge geschützte Tal wuchsen und gediehen die Zitrusfrüchte ganz vorzüglich und der kreisrunde Naturhafen war ideal für die Verschiffung der Ernten. Im Jahre 1864 befiel die Krankheit mit Namen Filoxera die Orangen und lies die Bevölkerung binnen weniger Jahre verarmen. Von Stund an exportierte man die Söhne. Fast ein Drittel aller Familien sandte ihre jungen Männer nach Frankreich und Algerien, nach Kuba und Puerto Rico. Vor allem nach Marseille, denn der Hafen war von Sóller bequem zu erreichen. Es gibt viele Familien, in denen Töchter oder Söhne in Frankreich geboren wurden und erst im spanischen Bürgerkrieg zwangsweise heimkehrten. Manchmal wurde zu Hause nur französich oder mallorquin gesprochen und erst später in der Schule lernten die Kinder spanisch zu sprechen.

Auch heute ist der französische Einfluss zu spüren: Feine Wohnstraßen sind von Linden beschattet, Glyzinien ranken über Portalen – Gewächse, die man auf der Insel kaum antrifft.
Mallorca


Geschrieben von Christoph Wichmann ( cw-mallorca [at] gmx.de )

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