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Das Internet beschleunigt die Patientenrekrutierung durch seine g

Immer weniger Studien erfüllen den Zeitplan

Trotz erhöhter Aufwände für die Patientenrekrutierung werden derzeit 60-80% aller Studien aufgrund fehlender Patienten verspätet abgeschlossen. Dies ist für Pharmaunternehmen um so schmerzlicher als dass jeder Tag, an dem ein Medikament nicht auf dem Markt ist, bis zu $1,0 Mio. kostet. Die Ursache für die Verspätung liegt vor allem in der größeren Anzahl von Patienten, welche für die Durchführung von klinischen Studien benötigt werden. So werden heute wesentlich mehr Studien durchgeführt, um ein neues Medikament auf den Markt zu bringen, andererseits verlangen die Zulassungsbehörden immer mehr Patienten pro Studie.
Die derzeit gängigen Rekrutierungsmethoden reichen alleine nicht aus
Die Industrie baut nach wie vor stark auf die Eigenrekrutierung der Prüfärzte, welche die Patienten aus dem eigenen Patientenstamm ihrer Praxen oder Kliniken rekrutieren. Nur wenn dies nicht ausreicht, werden von den Pharmaunternehmen und Prüfzentren vornehmlich zwei weitere Rekrutierungsmöglichkeiten angewendet: Erstens durch Werbung in den gängigen Medien und zweitens durch das Weiterleiten der Patienten durch niedergelassene Ärzte.
So werden vornehmlich Anzeigen in Zeitungen, Wochenblättern und Apotheken-Umschauen aber auch Werbung im Radio und (selten) TV geschaltet. In diesen Anzeigen wird meistens nur auf eine einzelne Studien eingegangen. Es ist in einer Anzeige meist nicht möglich, alle wesentlichen Fakten über die Studie zu transportieren. So ist eine zielgerichtete Ansprache der Patienten, welche die Ein- und Ausschlusskriterien erfüllen, nur schwer möglich. Dadurch entstehen große Streuverluste, welche die Rekrutierung verlangsamen und die Kosten erhöhen.
Die zweite derzeit häufig genutzte Variante der Patientenrekrutierung ist das Weiterleiten von Patienten durch deren behandelnde Ärzte. Diese genießen das Vertrauen ihrer Patienten, kennen deren medizinische Befunde bestens und sind somit in der Lage Teilnehmer für Studien zu rekrutieren. Bei einer guten Zusammenarbeit könnten die niedergelassenen Ärzte profitieren. Der Arzt könnte seinen Patienten Zugang zu den modernsten Behandlungsmethoden ermöglichen, sein eigenes Praxisbudget schonen und zusätzlich noch eine Aufwandsentschädigung erhalten. Das Weiterleiten von Patienten durch die Ärzte geschieht jedoch nicht oft, weil die Ärzte Sorge haben, ihre Patienten an studiendurchführende Ärzte zu verlieren.

Eine große Schwäche der aktuellen Vorgehensweise ist, dass nur für eine konkrete Studie rekrutiert wird. Potentielle Studienteilnehmer, welche nicht den Anforderungen einer derzeit rekrutierenden Studie entsprechen, werden auch nicht für weitere Studien vorgemerkt. Damit wird eine große Chance vertan.
Das Internet bietet auch in der klinischen Forschung ungeahnte Möglichkeiten
Nachdem die Rekrutierung über Anzeigen und das Weiterleiten von Patienten durch niedergelassene Ärzte offensichtlich nicht ausreicht, um die Studien planmäßig abzuschließen, sollten wir uns einen weiteren erfolgsversprechenden Weg der Patientenrekrutierung ansehen: Das Internet.
In Deutschland – im Gegensatz zu den USA- wird noch relativ wenig Gebrauch von der Patientenrekrutierung übers Internet gemacht.

Fehlende Aufmerksamkeit für klinische Studien
Die Bekanntheit der klinischen Forschung ist in der Bevölkerung nach wie vor sehr gering. So belegt eine Umfrage von Harrison in Deutschland aus dem Jahr 2004, dass zwar 80% aller Menschen grundsätzlich bereit wären an einer Studie teilzunehmen, aber nur rund 50% davon Kenntnis von der klinischen Forschung hatten. Und nur 9% hatten jemals tatsächlich die Gelegenheit an einer Studie teilzunehmen. Ermutigend ist hingegen, dass 80% der Patienten, welche Gelegenheit hatten an einer Studie teilzunehmen, auch tatsächlich teilgenommen haben.
Um die Bevölkerung mit klinischen Studien in Berührung zu bringen und sie auf die Vielzahl der vorhandenen Studien aufmerksam zu machen, benötigt man also eine für den Patienten zielgerichtetere Vorgehensweise der Bekanntmachung. Hierfür ist das Internet die ideale Plattform, da eine ausgedehnte Information über die Studie möglich ist. Der Vorteil für den Patienten liegt bei der Veröffentlichung im Internet darin, dass die Patienten viel gezielter und schneller die geeignete Studie finden können als über Anzeigen in den klassischen Medien. Daher ist dieser Trend in den USA schon weit ausgeprägter als hierzulande. Dort greifen immer mehr Sponsoren und Prüfzentren auf webbasierende Initiativen zurück mit weiter steigenden Raten: Nach Informationen von Centerwatch stiegen von Juli 2004 bis Juli 2005 die Veröffentlichungen im Internet um 51%. Im Jahr 2007 werden die Pharmafirmen alleine in den USA ca. $97 Mio. für die Veröffentlichung ihrer Studien im Internet ausgeben.

Teilnehmerdatenbanken beschleunigen die Rekrutierung
Ein wesentlicher Fortschritt, welcher durch die Rekrutierung über das Internet erheblich erleichtert wird, ist das Registrieren von potenziellen Teilnehmern in einer Teilnehmerdatenbank. In den USA wird dies von immer mehr Anbietern durchgeführt, so wie Centerwatch oder Clinicalconnection. In Europa sind dies erst sehr wenige Firmen, wie z.B. Patients4you in Großbritannien oder die Firma Clariness in Deutschland mit ihrem Patientenportal www.klinische-forschung-deutschland.de. Die Registrierung für die Teilnehmerdatenbank ist für die Patienten kostenlos. Die Registrierung ermöglicht es den Patienten sich informieren zu lassen, wenn zukünftig eine passende Studie in deren Nähe durchgeführt wird. Damit nehmen die Patientenportale den Patienten die aufwändige Suche nach Studien ab.
Aber auch die Sponsoren und die Prüfzentren haben einen großen Vorteil, der durch diese Dienstleistung entsteht: Da durch den direkten Zugang zu den vorselektierten und interessierten Patienten die Zeiten für die Patientenrekrutierung erheblich verkürzt und dabei auch noch Kosten gespart werden.

Das Internet verzeichnet erste große Erfolge bei der Patientenrekrutierung
Statistiken von Centerwatch aus den USA belegen, dass zunehmend mehr Patienten über das Internet rekrutiert worden sind. Zwischen dem Jahr 2002 und dem Jahr 2004 konnte man beobachten, dass sich die Anzahl der potenzielle Teilnehmer, welche eine für sich passende Studie im Internet fanden, auf 22% verdoppelt hat. Damit liegt das Internet schon auf dem zweiten Platz hinter den klassischen Medien. Bei allen anderen Möglichkeiten, eine persönlich richtige Studie zu finden, nahm die Prozentzahl ab. Der Anteil der Patienten, welche eine passende Studie durch die Werbung von Prüfzentren fand, sank zwischen 2002 und dem Jahr 2004 um 15%. Der Anteil der Patienten, welche eine passende Studie durch einen niedergelassenen Arzt fand, sank um 19% und die Bekanntmachung der Studien durch klassische Medien sank um 4%. Daraus lässt sich schließen, dass immer mehr Leute auf das Internet bei ihrer gezielten Suche nach Studien zurückgreifen.

Das Internet bietet im Zusammenspiel mit den klassischen Medien neue und bessere Möglichkeiten für die Patientenrekrutierung
Die Entwicklung in den USA -aber auch in Europa- zeigt, dass die klinische Forschung die Herausforderung immer mehr Patienten rekrutieren zu müssen, angenommen hat und bereit ist neue Wege zu gehen. Immer mehr Studien werden im Internet veröffentlicht. Dadurch können die Patienten immer zielgerichteter für sie geeignete Studien finden. Durch das Format ist das Internet die beste und variabelste Möglichkeit klinische Studien einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Teilnehmerdatenbanken sind eine große Erleichterung für einen nach Studien suchenden Patienten. Andererseits ermöglicht sie wiederum auch eine schnellere und effizientere Rekrutierung durch die Sponsoren und die Prüfärzte. Die heutigen Möglichkeiten der Patientenrekrutierung sind eindeutig zeitaufwändiger und damit teuerer für die Sponsoren.
Ein Zusammenspiel von klassischer Werbung und dem Internet sollte intensiviert werden: Die klassischen Medien erreichen noch immer ein breiteres Publikum, können allerdings keine ausreichende Informationstiefe über klinische Studien bieten. Das Internet ist noch lange nicht so verbreitet wie Zeitungen, Radio oder TV, bietet aber ein besseres Format, um den Patienten ausreichend mit den Studien vertraut zu machen. Deshalb sollte die Werbung in den klassischen Medien dazu genutzt werden, auf Internetportale über klinische Studien hinzuweisen. Diese Portale übernehmen dann für den Patienten die effiziente Suche nach Studien und die tiefergehende Information über konkrete Studien.


Geschrieben von Sebastian Sattler ( sattler1989_clariness [at] yahoo.de )

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