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Der Jakobsweg
Santiago de Compostela und der Jakobsweg

Ausgrabungen im Boden der Kathedrale brachten 1946 ans Licht, dass das Gebiet um Santiago de Compostela schon zu keltischen Zeiten besiedelt war. Man fand 182 Gräber aus verschiedenen Epochen, unter anderem auch welche aus dem suebischen Zeitalter (Sueben - dt. Sweben, Schwaben; Gruppe westgermanischer Stämme, die zwischen Aller, Saale und Oder siedelten. Während der Völkerwanderung stießen sie nach Süddeutschland vor, wo sich ihr alter Name "Schwaben" bis heute hält. Andere Teile der Sueben wanderten 406 nach Galicien, wo sie das Reich der Sueben gründeten (bis 585 n. Chr.). Auch wenn uns die Historia Compostelana glauben macht, Santiago sei erst mit dem Jakobuskult entstanden, belegen diese Funde, dass es sich um eine sehr alte Siedlung handelt. Wir müssen auch annehmen, dass sich der Name Compostela nicht in Anlehnung an die Auffindung des Jakobusgrabes entwickelte, sich also nicht von campus stellae (Sternenfeld), sondern von compositum (Begräbnisplatz) ableitet.

Nach der Entdeckung des Apostelgrabes im ersten Drittel des 9. Jahrhunderts ließ König Alphons III. eine Basilika auf der Begräbnisstätte bauen. Reste dieses ersten Gotteshauses kamen ebenfalls bei den Ausgrabungen 1946 zum Vorschein. Schnell erwies sich die Kirche für den enormen Pilgeransturm als zu klein, und so wurde 872 ein neues Bauwerk begonnen, das 899 geweiht wurde. Rund hundert Jahre gedieh der Jakobskult in Frieden, bis plötzlich Gefahr auftauch te. Argwöhnisch, weil sich hier ein christliches Mekka bildete( hrte sich die islamische Welt. Wie ein Racheengel fegte Almansor der Heerführer des Kalifen von Córdobas durch das christliche Spanien; ausschließlich mit dem Ziel, Compostela zu vernichten.

Am 10. August 997 erreicht er die von den Einwohnern verlassene Stadt. Lediglich ein alter Mönch war zurückgeblieben, um bei den Gebeinen des Apostels Wache zu halten. Am darauffolgenden Tag dringt Almansor in die Kathedrale ein. Doch erstaunlicherweise vorschont er das Grab und seinen Wächter. Die Kathedrale allerdings wird dem Erdboden gleichgemacht. Die Glocken und Türflügel des Gotteshauses lässt er von christlichen Gefangenen nach Córdoba schleppen. Die Zerstörung Santiagos war der härteste und auch der feindseligste unter den vielen Hieben Almansors. Er sollte die christliche Welt im Nerv treffen und lähmen.
Erst zur Zeit des Bischofs Diego Pelaez, unter König Alphons VI., wird 1078 mit dem Wiederaufbau der Kirche begonnen. Zehn Jahre später unterbricht ein heftiger Streit zwischen Bischof und König die Bauarbeiten. 1102 geht man mit neuem Eifer an die Fertigstellung der Kathedrale (1128). Sogar die geraubten Glocken fanden wieder ihren alten Platz. Als Ferdinand 111. 1236 Córdoba zurückerobert, lässt er, diesmal von arabischen Gefangenen, die Glocken nach Santiago schleppen. Als 1589 der englische Seeräuber Francis Drake die Stadt bedrohte, wollte man die Reliquie nach Orense verlagern. Angeblich verschwand sie dabei; erst 1789 fand man sie bei Umbauten unter dem Hochaltar wieder.



Geschrieben von Angel de la Fuente ( angel [at] cerler.es )

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