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Schmuck des 20. Jahrhunderts
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Ein neues Frauenideal und seine Mode
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Der Beginn des 20. Jahrhunderts war noch geprägt vom eher verspielten Jugendstil des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Stilrichtung, die sich nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte und ihren Namen „Art déco“ von der Pariser Ausstellung „Exposition Internationale des Arts Décoratifs et Industriels Modernes“ erhielt, bot ein Kontrastprogramm.
Schmuck kommt nun nicht mehr romantisch daher. Kühle Farben, klare Formen und nüchterne Sachlichkeit prägen den neuen Stil im Schmuckdesign. Kontraste von schwarz, rot und weiß sind nun vorherrschend beim Schmuck. Das Frauenbild hat sich gewandelt. Die Frau der Zwanziger Jahre ist selbstbewusst, aufgeklärt, emanzipiert und sachlich. Mit den neuen ärmellosen Kleidern kann man Schmuck am Hals und an den Handgelenken sehen lassen. Auch Haarschmuck ist gefragt. Der modische Bubikopf bringt eine große Nachfrage nach Zierkämmen und Haarnadeln mit sich. Als Hut setzt man sich eine kleine glockenförmige Kopfbedeckung auf, die, ebenso wie die Kleider, mit Broschen oder Anstecknadeln geschmückt wird. Doppelspangen werden modern, die ein Kleidungsstück zusammenhalten, aber auch einzeln als Brosche und Nadel getragen werden können.
Einfluss auf das Schmuckdesign der frühen Zwanziger hat auch die gerade erfolgte Entdeckung und Öffnung des Grabes des Pharaonenkönigs Tutenchamun: Ägyptische Motive wie Skarabäen, Sphinxköpfe und Horusfalken zieren Anhänger und Broschen sowie die hochaktuellen silbernen Netztäschchen für den Abend.
Ende der Zwanziger Jahre erklommen die weißen Steine die Spitze der Beliebtheit. Diamanten in unterschiedlichen Schliffen, aber auch künstliche weiße Steine werden für jede Art von Schmuck eingesetzt. Überhaupt ist „künstlicher Schmuck“ tragbar geworden, nachdem Pariser Modeschöpfer ihn als Tagesschmuck eingeführt hatten. In den folgenden Jahren entwickelte sich allmählich ein Schmuckstil aus den Hauptmerkmalen des Art déco und des Modernismus unter dem Einfluss des Maschinenzeitalters. Die neue Schmuckmode war robust und ausgeprägt, spritzig und extravagant wie die alkoholischen Mixturen (Cocktails), von denen diese Stilrichtung den Namen bekam: Cocktail-Stil. Großspurige, leicht aggressive Schmuckstücke wurden getragen, um aufzufallen, Blicke auf sich zu ziehen. Es war eine Mode, die gerade in der Folge der Weltwirtschaftskrise massiven Reichtum vorspiegeln sollte, was sich besonders gut mit Modeschmuck realisieren ließ. Häufig war der Modeschmuck im Design tonangebend und wurde von den Herstellern echten Schmucks imitiert.
Diese üppige Ära des Schmucks nahm im Amerika der Dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts ihren Anfang, gelangte aber nach dem Zweiten Weltkrieg in abgeschwächter Form bei Juwelenschmuck und bei dem unechten Bijouterieschmuck auch nach Europa. |
Geschrieben von Susan Mueller ( ralf-richter1 [at] gmx.de )
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