Wer hätte gedacht, dass in unseren herkömmlichen Telefonleitungen derlei Bärenkräfte schlummerten. Mit der neuen VSDL-Technologie (Very High Speed Digital Subscriber Line) wird’s möglich. Der Datenstrom rast von der Ortsvermittlungsstelle über Glasfaserleitungen zum Kabelverzweiger und schließlich über einen handelsüblichen Kupferkabel, also unserer Telefonleitung, zum Endnutzer. An der Naht zwischen Kupfer- und Glasfaserkabel (gemeint sind die grauen Kästen, die man am Strassenrand findet) werden sogenannte DSLAM’s (Digital Subscriber Line Access Multiplexer) installiert, um die beiden Leitungen für den Datenstrom zu verknüpfen. Diese Technologie wurde in ähnlicher Weise bei DSL-Anschlüssen eingesetzt, mit dem Unterschied, dass sich die DSLAM’s nicht mehr in den wenigen Ortsvermittlungsstellen befinden, sondern nun in einer kompakteren Konstruktionsweise in den zahlreichen Kabelverzweigern installiert werden, wodurch die Kupferkabel eine geringere Strecke bis zum Haushalt zurücklegen müssen. Dies ermöglicht theoretische Datenübertragungsraten von bis zu 52 Mbit/s (in Zukunft werden sogar Werte von über 200 Mbit/s realisierbar sein), was den derzeitigen DSL-Standard um das Achtfache überflügelt. In der Praxis jedoch entscheidet stets die Länge des Kupferkabels über Signalqualität und die tatsächlichen Down- und Upstreamgeschwindigkeiten: sind Kabelverzweiger und Haushalt über 1 km voneinander entfernt, schrumpft die Geschwindigkeit auf etwa 16 Mbit/s, verhält sich also proportional zu der jeweiligen Entfernung. Fällt der Abstand dagegen unter die 1 km Marke, kann das größtmögliche Potenzial von VDSL ausgeschöpft werden. Hier macht sich aber erneut eine alte Kinderkrankheit der Breitband-Technologie bemerkbar: es ist sehr unwahrscheinlich, dass in ländlichen Gegenden die neue Technik ebenfalls Einzug halten wird. Bis zu drei Milliarden Euro gab die Telekom für die Umrüstung der alten und Installation von neuen Kabelverzweigern in ganz Deutschland aus und immer noch ist das Verfügbarkeitsnetz nicht flächendeckend genug. Hauptanwendungsgebiet für solch schnelle Internetzugänge ist IPTV - also Fernsehen übers Internet. Seit Ende Oktober letzten Jahres wurden bereits 10 Großstädte VDSL-fähig gemacht und bis 2008 sollen 40 weitere hinzukommen. Da haben peripher gelegene Ortschaften, wie beispielsweise kleinere Dörfer, eine verschwindend geringe Priorität. Die kostspieligen Glasfaserkabel über lange Landstrassen zu verlegen, rentiert sich einfach nicht.
Mit der Weiterentwicklung der Breitband-Technologie erhofft sich die angeschlagene Telekom den Weg zurück an die Marktspitze und kämpfte verbissen um die alleinigen Nutzungsrechte der VDSL-Infrastruktur. Zwar hat der Bundestag seinen Segen für dieses Vorgehen bereits per Gesetzesbeschluss erteilt, doch die EU-Kommission und die Bundesnetzagentur drängen dennoch auf eine Öffnung zugunsten eines marktwirtschaftlich gesunden Wettbewerbs. Sie wollen die Monopolisierung des aussichtsreichen VDSL-Marktes durch Telekom verhindern, während der Konzern seine Konkurrenten nur unter eigenen Nutzungsbedingungen an die kostbaren Netze lassen möchte. Das Gezerre um VDSL mündete schließlich laut SPIEGEL in der Entscheidung, Wettbewerbern wie Arcor oder United Internet auf halbem Wege entgegenzukommen und die Netze an sie zu vermieten. Damit kann die Telekom ihre Alleinnutzungspläne zwar begraben, aber immerhin auf eine Abschwächung der EU-Klage gegen das umstrittene Telekommunikationsgesetz hoffen. Darin legte der Bundestag zum Jahresanfang fest, dass VDSL von der Marktregulierung ausgeschlossen werden sollte und erklärte damit die Deutsche Telekom indirekt zum alleinigen Verwalter der VDSL-Netze.
» Alle VDSL-Anbieter, Infos und Tarife
|
| |
| |
|
Geschrieben von Maik Wildemann ( 4websolutions [at] web.de )
|
|
|
| |