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Es gibt wohl keinen Begriff in der Wirtschaft, der mehr strapaziert und missbraucht wurde, als der Begriff Strategie. Man könnte versucht sein anzunehmen, alles was mit Führung in Unternehmen zu tun hat, sei strategisch. Von strategischen IT-Systemen ist da die Rede, von strategischen vs. operativen Entscheidungen, von strategischen Akquisitionen, usw., um nur einige Beispiele zu nennen. Kurz: Gibt es etwas, dessen Wichtigkeit betont werden soll, so wird es einfach mit dem Attribut "strategisch" geschmückt.
Strategie taugt auch immer gut als Totschlag-Argument: Gehen einer Führungskraft die Sachargumente für eine Entscheidung aus, erfolgt nicht selten der stereotype Verweis auf die "strategische Ausrichtung" der Entscheidung. Das Wort Strategie klingt klug, macht Eindruck und hat den Anstrich von Wichtigkeit. Jedoch bleibt das Thema Strategie für viele eine nebulöse Zone. Viele Führungskräfte wissen weder, was sich im Detail hinter dem Konzept einer Unternehmensstrategie verbirgt, noch wie sie eine solche systematisch entwickeln können.
Der Begriff "Strategie" stammt ursprünglich aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie "Höhere Kriegskunst". Der Duden erklärt den Begriff mit "Lehre von Vorbereitung und Lenkung großer militärischer Operationen". In der Spieltheorie kennzeichnet die Strategie einen möglichen Spielplan, nach dem ein Spieler seine Auswahlmöglichkeiten für jeden Spielzug bestimmt. Gablers Wirtschaftslexikon definiert Strategie als "Festlegung der langfristigen Unternehmenspolitik durch die Geschäftsleitung als Grundlage der langfristigen Planung". In diesem Zusammenhang wird auch strategische Führung als "Teil der Führungsarbeit, die die grundsätzlichen und langfristigen Ziele der Unternehmung festlegt sowie die zur Erreichung dieser Ziele notwendigen Maßnahmen plant und kontrolliert." definiert.
Der Begriff Strategie wird auch häufig mit dem Begriff Taktik vermischt. Unter "taktischer Führung" versteht Gabler den "Teil der Führungsarbeit, der auf Grundlage der von der strategischen Führung vorgegebenen Ziele und Pläne Handlungsanweisungen entwickelt und deren Durchführung überwacht." Andere Definitionen sprechen von "Truppenführung im Gefecht" beziehungsweise von " klugem, planmäßigem Verhalten". Generell kann man sagen, dass Taktik immer auf die Durchführung einer Strategie oder einen ihrer Teilschritte gerichtet ist. Taktik adressiert die Details (das Wie), während Strategie sich mit den größeren Zusammenhängen (dem Was und dem Warum) beschäftigt.
Strategie hat den obengenannten Definitionen zufolge immer etwas mit Kampf im weitesten Sinne zu tun. Auf die Wirtschaft bezogen bedeutet Kampf Wettbewerb. Für die Geschäftsstrategie eines Unternehmens steht somit immer die Sicherung von Wettbewerbsvorteilen im Mittelpunkt. Bruce Henderson, Gründer der Boston Consulting Group, soll einmal auf die Frage, was denn das Wesen einer Geschäftsstrategie ausmache, geantwortet haben:
"Alle Unternehmen, die dem Wettbewerb über längere Zeit standhalten wollen, müssen sich einen Vorsprung über ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen bewahren. Die Erhaltung dieses Alleinstellungsmerkmals bildet den Kern jeder langfristig orientierten Geschäftsstrategie."
Kampf bzw. Wettkampf bedingt immer das Vorhandensein mehrerer Akteure mit gegenläufigen Interessen sowie ein starkes dynamisches Element. Eine Strategie legt deshalb die zur Erreichung der Ziele notwendigen Verfahrensweisen und Aktionen, mögliche Reaktionen der anderen Akteure sowie eigene Gegenreaktionen auf jede vorhergesehene gegnerische Aktion fest: " Wenn ich Aktion x starte, wird mein Gegner vermutlich in dieser oder jener Weise reagieren, worauf ich wiederum mit Aktion y antworten werde ..." Damit lässt sich eine Strategie als eine Abfolge von Handlungsanweisungen beschreiben , die über Wenn-Dann-Bedingungen verknüpft sind.
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