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Weg zum Boot
Wie komme ich zum eigenen Schiff? Und wer darf sich ein Boot kaufen und damit fahren?

Grundsätzlich kann sich in Deutschland jeder ein Boot kaufen. Hierfür ist keinerlei Genehmigung oder dergl. erforderlich. Um das gute Stück dann auch fahren zu dürfen ist in Deutschland der Sportbootführerschein See oder der Sportbootführerschein Binnen erforderlich, je nach Fahrtgebiet. –mehr nicht!
Ab 10 m Bootslänge ist man zudem verpflichtet ein Funkgerät zu installieren und zum Betrieb dieses Gerätes braucht man einen Funkschein. Das ist grundsätzlich alles.
Es ist kein Segelschein oder irgendetwas anderes nötig wenn man das Boot zum eigenen Vergnügen übers Wasser schippern möchte. Will man damit Geld verdienen sieht die Sache anderes aus, aber das würde hier den Rahmen sprengen.

Wenn man sich die Preise für neue Boote ansieht, so gewinnt man noch immer den Eindruck das Bootfahren oder Segeln nur etwas für „besser Betuchte“ ist.
Setzt man sich jedoch mit der Materie näher auseinander, so ergibt sich ein völlig anderes Bild.
Der Gebrauchtbootsmarkt ist voll von Yachten aller Größenordungen und Preislagen. Vom nostalgischen „Lustschiff“ aus den 1920er Jahren bis zum fertig ausgerüsteten Weltumsegler ist für jeden etwas Passendes dabei.
Wer grade erst anfängt seine Seebeine zu trainieren, sollte sich zunächst einmal entscheiden ob es ein Motorboot oder ein Segler sein soll.
Motorboote gibt es in allen PS-Klassen, mit Innenbordmotor oder Außenborder, mit Kajüte oder ohne. Es gibt so genannte Gleiter, die ab einer gewissen Geschwindigkeit den Rumpf teilweise aus dem Wasser heben und so quasi über das Wasser gleiten, und Verdränger, meist schwerere Schiffe die – wie das Wort schon sagt- das Wasser verdrängen. Eines haben sie alle gemeinsam: der einzige Antrieb ist ein Motor und sie sind in der Regel schneller als ein gleichgroßer Segler.
Wer also auf Tempo Wert legt und nicht so sehr auf die Benzin- und Dieselpreise achten muss, der ist unter Umständen mit einem Motorboot gut bedient.
Die Pflege eines Motorbootes ist, vergleichen mit einem Segler, nicht so aufwendig. Das der Motor Tip-Top gewartet und in Schuss sein sollte versteht sich von selbst, ansonsten kommt es natürlich auf das Baumaterial an – aber dazu später mehr.

Bei Segelbooten ist die Auswahl ähnlich groß wie bei Motorboote, wenn nicht sogar größer,
Auch hier gibt es Gleiter und Verdränger, wobei ein Segler zum gleiten meist eher bei den kleineren Boote wie z.B.- Jollen oder auch bei Mehrrumpfbooten zu finden ist. Auch bei Seglern kann man zwischen offenen Booten oder welchen mit Kajüte wählen, zwischen Schiffen mit einem oder zwei Masten, verschiedenen Arten von Besegelung. Es gibt verschiedene Rumpfformen, Einrümpfer, Zweirümpfer (Katamaran) oder auch Dreirümpfer (Trimaran) welche alles ihre Vor- und Nachteile haben. Mehrrumfboote sind meist die schnelleren, fahren ohne nennenswerte Schräglage, bieten aber weniger Zuladungsmöglichleiten, währenddessen Einrümpfer meistens als Verdränger fahren und durch weniger Breite auch weniger Platz am Liegeplatz beanspruchen, was die Kosten dort niedriger hält…

Es gibt bei Motorbooten wie auch bei Seglern verschiedenste Baumaterialien. Angefangen beim pflegeleichten GFK-Kunststoffboot über klassische Holzboote bis hin zu stabilen Stahl- und Aluminiumschiffen ist sogar Beton ein Stoff aus dem Boote bebaut werden. Oft streiten sich hier die Geister was nun das beste ist und in Internetforen und auf den Stegen am Wasser wird oft darüber diskutiert.

Wofür man sich entscheidet, ist reine Geschmacksfrage. Bootskauf ist eh nie eine rationelle Entscheidung sondern zu 90% Gefühlssachen und 5% Sache des Geldbeutels.

Was die laufenden Kosten angeht, so hat sich in den letzten Jahren einiges getan, zumindest wenn man sich die deutschen Fahrtgebiete Ostsee und Nordsee betrachtet. Die Liegeplatzgebühren sind angesichts der Vielzahl von Marinas (Yachthäfen) im Rahmen geblieben – für ein 9 Meter Boote zahlt man z.Zt. so um die 700,-€ für die Zeit vom 1.Mai bis zum 31.Oktober, das Winterlager kommt bei Unterbringung in einer Halle noch mal mit ca. 560,-€ dazu. Kranen und Unterwasserschiffreinigung sind meist enthalten. Zusammen kann man also von rund 1300,-€ im Jahr an Liegeplatzkosten ausgehen. Dazu kommen Kosten wie Treibstoff und/ oder Reparaturen.
Wer viel Selbermachen kann oder sich ein pflegeleichtes Boot kauft hat es natürlich einfacher.
Die steigenden Treibstoffkosten machen natürlich auch das Segeln attraktiver, aber ein neues Segeln will auch bezahlt werden. Für besagtes 9 m Boot kostet ein kompletter Satz mit Großsegel, zwei Vorsegel und eine Sturmfock schnell mal 5.000,-€. Gut gepflegt halten diese dann aber auch 10-15 Jahre bis sie die Form verlieren und mehr als Bettlaken taugen denn als Bootsantrieb…
Um auf Nummer Sicher zu gehen sollte man also rund 200,-€ monatlich für ein 9 Meter langes Segelboot kalkulieren.
Dann hat man allerdings auch schon eine Größenordnung, mit der man ohne Probleme mit 3-4 Leuten einen dreiwöchigen Urlaub planen kann.
Nimmt man ein kleineres Boot – so bis 8 Meter – hat man oft auch die Möglichkeit das Boot auf einem Trailer zu transportieren und ist somit unabhängiger vom jeweiligen Fahrtgebiet uns spart zudem die Kosten für einen Dauerliegeplatz.

Alles in allem gibt es viele Möglichkeiten kostengünstig zu einem eigenen Schiff zu kommen, eines ist jedoch immer gleich: das unvergleichliche Gefühl auf dem Wasser zu sein. Unabhängig und völlig frei entscheiden zu können wo die Reise hingehen soll. Ruhe und Entspannung zu finden und sich einfach treiben lassen zu können, ohne Zeitdruck und Uhr- das geht heut nur noch auf dem Meer…
Versuchen Sie es einmal und buchen Sie eine Charterreise, schauen Sie mal im Yachtmarkt was das Boot Ihrer Träume kosten würde oder gehen Sie in die Yachthäfen und sprechen dort die Yachtbesitzer einmal an, wenn Ihnen das Boot gefällt. So bekommen Sie, neben Internetforen, die besten Infos aus ersten Hand.

Mit freundlichen Grüßen wünsche ich immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel




Geschrieben von Thorsten Lüders ( lueders [at] in-water.org )

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